In der letzten Woche besuchte ich meine Tante in Schwerin und danach noch Stephan in Lübeck. Insgesamt alles sehr erholsam und entspannend.
Meine Rückfahrt verbrachte ich hauptsächlich im ICE 809 von Hamburg nach Düsseldorf und möchte euch ein paar Eindrücke von dieser Bahnfahrt erzählen.
Schon am Bahnhof merkte ich, dass Samstag war. Der HSV hatte gewonnen und die Fans waren gut drauf, was sie im Bahnhof allen anderen Reisenden mitteilten. Ich begab mich zu meinem Gleis und bemerkte eine Gruppe HSV Fans, die irgendwas von “Eure Eltern gehn zum OFC” sangen. Davon fühlte sich ein kleiner, stämmiger, glatzköpfiger Frankfurt Fan angegriffen und ging zu der Gruppe hin mopperte ein bisschen rum und sagte dann (phonetisch) “Ei wenn ihr kei Ahnung habt haltet ihr bese die Frese”.
Dann kam der Zug, die Fans stiegen ein. Ich auch. Sofort nach der Abfahrt ging ein älterer, untersetzter HSVler an mir vorbei, der die Luft mit Alkoholgeruch anreicherte. Der Zugchef begrüßte uns Fahrgäste und machte uns in Deutsch und Englisch darauf aufmerksam, dass dies nicht der ICE nach Frankfurt über Fulda, Kassel sei und wenn man sich verirrt hätte in Hamburg Harburg noch einen anderen ICE nach Frankfurt nehmen könnte.
So fuhren wir erstmal ein bisschen. Nach ca. einer Stunde kündigte der Zugchef an, dass wir in wenigen Minuten Bremen erreichen würden und die HSV Fans sahen sich genötigt ein Lied für den Erzrivalen anzustimmen:
Eins kann uns keiner nehmen
Eins kann uns keiner nehmen
und das ist der pure Hass auf Bremen
Natürlich stieg in Bremen keiner der Hamburg Fans aus. Hinter Bremen kontrollierte der Schaffner die Fahrkarten. Vor mit saß eine Frau, die in vor mir in den Zug gestiegen ist. Sie schlief direkt ein und wurde jetzt anscheinend von der Tatsache überrascht, dass dies nicht der ICE nach Frankfurt über Fulda, Kassel oder war es Kassel, Fulda ist. Sie entschied sich dann mit diesem Zug bis nach Köln und von dort nach Frankfurt zu fahren.
Zwischendurch kamen immer mal wieder Leute vorbei. Die meisten waren auf dem Weg ins BordBistro und einige gaben ihre Überraschung kund: “Was hier ist immer noch nicht das Bistro. Ist der Zug lang”. Viele habe ich wahrscheinlich mit bekommen. Was nicht auf zwei junge Damen zu traf, die anscheinend von einer Weltreise kamen. Zumindest ließen dies ihre Koffer oder sollte ich besser Container sagen, dies vermuten. Sie kündigten sich schon früh durch ein “klack klack, schlurf, stön, klack klack” an, dass umso lauter wurde, je näher sie kamen. Sie eckten immer mit ihrem überbreiten Koffern an die Sitze. Dann drehten sie den Koffer um ihn zwischen den Sitzen hindurchzubugsieren. Anschließend drehten sie den Koffer wieder in Fahrtrichtung, da ja jede Sitzreihe ihren individuellen Abstand hat (sind die blöd?), um wieder mit einem klack klack an die nächste Sitzreihe zu stoßen. Ich stellte mir vor, dass gleich der Zugchef einen Stau im ICE melden müsste, da im Wagen 6 ein Schwertransport sei, der nicht überholt werden könne. Aber das war leider nicht so.
Wir passierten den Hbf Osnabrück. Es scheint hier keinen Fußballverein zu geben, denn die HSV Fans wussten kein Lied anzustimmen. Hinter Osnabrück bemerkte ich ein Paar, das demokratisch auf der Platzsuche war. Es war ein wenig wie bei IKEA.
Sie: “Schatz das hier ist doch schön”
Er: “Ja?”
Und ehe er sagen konnte, dann lass uns doch hier hinsetzen, fand sie einen noch viel schöneren Platz.
Sie: “Schatz das hier ist doch noch schöner”
Der Mann tat mir ein bisschen Leid, da er wohl von Wagen 15 an so jeden Platz begutachtet haben musste. Die beiden verließen den Wagen 6.
Hinter Münster merkte ich, dass Alkohol wieder im Anmarsch war. Im selben Moment ging der ältere Herr an mir vorbei, der sich zu Beginn der Zugfahrt ins Bistro gewankt war und seine Gleichgewichtsprobleme immer weniger in den Griff zu bekommen schien. Er wurde von seinen Mitfahrern mit einem kräftigen LUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUTZ begrüßt.
Es foglte der Bahnhof Dortmund und einige HSV Fans stiegen aus und grölten auf dem Bahnhof direkt Fußballlieder, welche sich in allererster Linie, hauptsächlich und vor allem gegen den BVB und seine Anhänger richteten. Ähnliches passierte auch in Bochum und Duisburg. Sie trafen aber an allen Bahnhöfen keine Anhänger des jeweiligen Vereins.
In Düsseldorf, wo ich letztendlich ausstieg sangen die aussteigenden Fans nichts. Vielleicht haben sie Fortuna Düsseldorf vergessen. Oder war ich vielleicht doch in Osnabrück?